Wie Mähroboter und Gartenpflege unsere Wildtiere bedrohen.
Für viele Gartenbesitzer/-innen sind automatisierte Rasenmähroboter eine bequeme Lösung – sie sorgen ohne zusätzlichen Aufwand für einen perfekt gepflegten Rasen. Doch was für uns komfortabel ist, bedeutet für unsere heimischen Wildtiere oft Lebensgefahr. Besonders der Igel, das Symbol unserer Gartentiere, leidet massiv unter dem unkontrollierten Einsatz moderner Gartenhelfer.
Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung belegt eindeutig, dass der Einsatz von Mährobotern ein ernstes Tier- und Artenschutzproblem darstellt. Seit Oktober 2024 wird der westeuropäische Igel auf der internationalen Roten Liste offiziell als „potenziell gefährdet“ eingestuft. Zudem wurde er von der Deutschen Wildtierstiftung zum „Tier des Jahres 2024“ ernannt, um auf seine akute Bedrohung aufmerksam zu machen.
Das größte Problem liegt im natürlichen Schutzverhalten der Tiere:
Bei Gefahr rennen Igel nicht weg, sondern rollen sich zu einer Stachelkugel zusammen. Die scharfen Schneidewerkzeuge der Roboter, die Igel meist nicht rechtzeitig erkennen, überfahren die Tiere schutzlos.
Die Folgen in den ehrenamtlichen Igelhilfen sind dramatisch:
Die Verletzungen reichen von angeschnittenen Pfötchen und zerschnittenen Gesichtern bis hin zu großflächigen Abschabungen und abgetrennten Körperteilen. Die Dunkelziffer der unbemerkt qualvoll verendeten Tiere ist extrem hoch.
Wichtiger Hinweis zum Artenschutz:
Igel stehen in Deutschland unter besonderem Schutz. Das Fangen, Verletzen oder Töten dieser Tiere ist verboten und kann je nach Bundesland mit einem empfindlichen Bußgeld von 5.000 € bis zu 65.000 € geahndet werden.
Einfache Maßnahmen für einen igelfreundlichen Garten:
Reine Tagarbeit, der wichtigste Schutz. Lassen Sie Mähroboter niemals in der Dämmerung oder nachts laufen. Richtwert: von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang.
Da Igel nachtaktiv sind, ist das Risiko in dieser Zeit am höchsten. Am sichersten ist der Einsatz zur Mittagszeit.
Vorab-Kontrolle: Suchen Sie den Rasen vor dem Mähen kurz nach schlafenden oder verletzten Kleintieren ab.
Neben direkten Verletzungen hat das dauerhafte, regelmäßige Kurzhalten des Rasens einen weiteren gravierenden Nebeneffekt:
Es verhindert effektiv das Entstehen von Blüten. Dadurch verwandeln sich artenreiche Grünflächen in ökologische Wüsten. Heimische Insekten finden weder Nahrung noch Lebensraum. Dies zieht weite Kreise in der Nahrungskette.
Insektenfresser wie Igel, Spitzmäuse, Kröten, Frösche, Grashüpfer und fast alle Jungvögel finden nicht mehr genug zu fressen, weshalb viele dieser Arten in ihren Beständen stark rückläufig sind.
Mit ein wenig Vorsicht, dem Verzicht auf nächtliche Mähfahrten und etwas mehr Mut zur „Wildnis“ im Garten kann jedes Gemeindemitglied in Großhansdorf aktiven Artenschutz betreiben und Tierleid verhindern.
8. Juli 2026