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Vorlage - VO/2018/102  

Betreff: Bike and Ride-Anlagen an den U-Bahnhöfen
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Unterschrift:Voß
Bürgermeister
Federführend:Bau- und Umweltamt Bearbeiter/-in: Mulsow, Heinke
Beratungsfolge:
Bau- und Umweltausschuss Entscheidung
20.03.2018 
Sitzung des Bau- und Umweltausschusses (offen)   

Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
Übersicht Förderung  
B+R-Modulsystem  
Kostenschätzung  

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Erläuterung:

 

Das Land Schleswig-Holstein hatte 2017 1.000.000 € zur Förderung von B+R–Anlagen

bereitgestellt.

 

Die Gemeinde Großhansdorf hat im August 2017 Interesse an der Überplanung der B+R-Anlagen an den drei U-Bahnhöfen beim Projektträger NAH.SH (Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein) bekundet.

 

Das Ingenieurbüro „agentur Bahnstadt“ aus Berlin hat die Planungsleistung für den Hochbau in den Leistungsphasen 1 bis 4 HOAI, (Grundlagenermittlung bis zur Genehmigungsplanung) übernommen. Diese Leistung wird zu 100 % gefördert. Ziel war eine abgeschlossene Planung für das B+R-Projekt vorzulegen, um im Anschluss einen Antrag für die Förderung der Herstellung der Anlagen bei NAH.SH zu stellen.

 

Die jetzt vorgelegte Vorplanung führt zu keiner Verpflichtung der Umsetzung.

 

 

Förderung durch NAH.SH

 

Das Förderprogramm ist auf das Jahr 2018 begrenzt. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, muss in noch 2018 der Förderantrag gestellt werden. Die Realisierung der Maßnahmen kann jedoch über drei Jahre verteilt werden. Hierdurch können die Belastungen im Gemeindehaushalt auf 3 Jahre verteilt werden und anstehende Überlegungen, wie zum Beispiel die 8. Änderung des B-Plans 6, die das Umfeld des U-Bahnhofs Schmalenbeck noch Berücksichtigung finden.

 

NAH.SH fördert die Leistungsphasen 5 (Ausführungsplanung),6 (Vorbereitung der Vergabe) und 9 (Objektbetreuung) nur zu 75 %, der Gemeinde verbleibt zunächst ein Eigenanteil von 25 %.

 

In der Anlage „Übersicht Förderung“ ist eine Auflistung der förderfähigen Kosten beigefügt. Darin ist die Förderung von NAH.SH mit 75 % berücksichtigt.

Aus Mitteln der Metropolregion Hamburg kann zusätzlich noch 50 % vom Eigenanteil  der Gemeinde abgedeckt werden (die förderfähigen Kosten ergeben sich aus den  Richtlinien der MRH). Somit kann eine Gesamtfördersumme von bis zu 82 % der Baukosten möglich sein.

 

Ausgehend von der geschätzten Gesamtkosten von rund 445.000 € ergäbe sich ein aktueller Eigenanteil von 82.000 € (brutto) für die Ertüchtigung aller 3 Bahnhöfe.

 

Festzuhalten ist aber, dass die Finanzierungsübersicht der Kostenschätzung unverbindlich ist und erst bei der Realisierungsplanung konkretisiert werden kann.

 

In den Sammelschließanlagen können dem heutigen Trend folgend optional noch Ladeschränke für E-Bikes mit Schließfächern eingebaut werden. Diese könnten eventuell über die AktivRegion oder andere Sponsoren teilweise finanziert werden.

 

 

B+R-Modulsystem – Leitidee und Grundkonzept

 

NAH.SH hat mit dem Hersteller Kienzler ein B+R-Modulsystem erarbeitet, welches bereits erfolgreich in anderen Kommunen aufgebaut wurde. Die Gestaltung setzt auf klare und funktionale Konstruktionen. Aufgrund der Modulform können offene und geschlossene Anlagen ohne Probleme kombiniert und offene Anlagen bei Bedarf sogar nachträglich zu Sammelschließanlagen umgewandelt werden (Anlage „B+R-Modulsystem“).

 

Es wurde zusätzlich auf Ökologie und Nachhaltigkeit geachtet, indem nachhaltige Baustoffe (Holz) und langlebige Materialien (Lochblechwände) verwendet werden.

 

Nur beim U-Bahnhof Großhansdorf ist ein Doppelstockparker als frei zugängliche Anlage geplant. Die anderen frei zugänglichen und Sammelschließanlagen werden mit sogenannten „Kieler“ Bügeln ausgestattet.

 

Für alle 3 Bahnhöfe sind idealerweise Sammelschließanlagen vorgesehen. Diese müssen nicht sofort realisiert werden, sind aber langfristig durchaus sinnvoll, weil die Vielfahrer in der Regel hochwertige Fahrräder besitzen und daher ein Interesse an einer sicheren Verwahrung haben.

 

Für die Sammelschließanlagen muss mit laufenden Betriebskosten in Höhe von ca. 800 € pro Jahr gerechnet werden. Die Gebühr für die Nutzung eines Stellplatzes liegt im Bereich von 1,00 bis 2,00 € pro Tag oder Jahresgebühr von 50,00 €.

 

Modernisierung und Kosten

 

Eine Modernisierung und Erweiterung der vorhandenen B+R-Anlagen ist dringend erforderlich, da sie nicht mehr den heutigen Ansprüchen entsprechen.

 

Die ermittelten Kosten der Modernisierung durch die agentur Bahnstadt übersteigen die ursprünglich veranschlagten Kosten weil hierbei nur die Investitionskosten für einfache Abstellanlagen (überdachte einreihige Anlage mit Bügeln) kalkuliert wurden (vgl. Vorlage für die Sitzung des Bau- und Umweltausschusses vom 02.03.2017),

 

Bei der jetzigen Planung wurden mehr Stellplätze und Sammelschließanlagen berücksichtigt. Zusätzlich wurden die erforderlichen Erd- und Pflasterarbeiten und Planungskosten einkalkuliert (siehe Anlage „Kostenschätzung“).

 

Die Planungen für die Bahnhöfe im Einzelnen:

 

U-Bahnhof Großhansdorf

 

An der Straße Schaapkamp hinter dem U-Bahngebäude wird die alte Anlage (67 Stellplätze) abgerissen und durch eine frei zugängliche Anlage mit 99 Stellplätzen ersetzt.

 

Aufgrund der Tatsache, dass jeder Radfahrer sein Fahrrad möglichst nah am Eingang des U-Bahnhofs abstellen will, kommt es zu vielen „Wildparkern“ am Absperrgeländer zum Kreisel. Dies kann verhindert werden, indem auf dem asphaltierten Streifen, der offiziell kein Fahrradweg mehr ist, 20 nicht überdachte Stellplätze (Bügel) errichtet werden.

Sollte es im Zusammenwirken mit der Verkehrsaufsicht aber gelingen, den zwischen Kreisel Wöhrendamm und U-Bahnhof physisch noch vorhandenen und vielfach weiterhin genutzten Radweg auch rechtlich wieder als solchen einzustufen, müsste für den Standort der Bügel eine Alternativplanung erstellt werden. Infrage käme hierfür z.B. die Fläche im Winkel zwischen Widerlager und Bahnhofsgebäude.  

 

Die angedachte Sammelschließanlage mit zusätzlichem Dachelement als Wetterschutzhaus der Bushaltestelle ist optional in der Planung aufgenommen worden. Dieses Ensemble würde auch den Ersatz der abgängigen Wartehalle durch eine neue freistehende Wartehalle überflüssig machen. 

Voraussetzung für die Realisierung ist die Verlegung des Wertstoffsammelplatzes, hierfür gibt es allerdings aktuell noch keinen Ausweichstandort.

 

Die Gesamtbaukosten werden auf rund 180.800 € beziffert.

 

U-Bahnhof Kiekut

 

Die vorhandene Anlage (24 Stellplätze) soll durch eine frei zugängliche Anlage mit 24 Stellplätzen ersetzt werden.

Da die Fläche im Privatbesitz ist, kann die Anlage nicht erweitert werden.

 

Weitere Stellplätze können durch eine Sammelschließanlage auf dem Grundstück des Rathauses generiert werden: an der Fläche des Mitarbeiterstellplatzes am Barkholt befindet sich momentan nur ein einfacher Fahrradständer. Vorteil wäre, dass Mitarbeiter des Rathauses, die regelmäßig mit dem Fahrrad kommen, hier ebenfalls ihr Fahrrad unterstellen können.

 

Die Gesamtbaukosten werden auf rund 105.000 € beziffert.

 

U-Bahnhof Schmalenbeck

 

Die vorhandene Abstellanlage (34 sehr enge Stellplätze und die wegen der schlechten Zugänglichkeit nicht vollständig belegt sind) links vor dem U-Bahngebäude wird durch eine frei zugängliche Anlage mit 12 Stellplätzen und einer Sammelschließanlage mit 12 Stellplätzen ersetzt. Vorstellbar ist auch eine frei zugängliche Anlage mit 24 Stellplätzen zu errichten. Die Anlage kann nachträglich zu einer Sammelschließanlage „umgerüstet“ werden.

 

Sollten seitens der unteren Denkmalschutzbehörde keine Bedenken zum Eingriff in das Umfeld des Bahnhofsgebäudes bestehen, können auch Doppelstockparker eingeplant werden. 

 

Die Erneuerung der Abstellanlage hinter dem U-Bahngebäude sollte sinnvollerweise im Zusammenhang mit der 8. Änderung des B-Plans Nr. 6 geplant werden. Realisierbar ist in dem Bereich eine Gesamtanlage mit 48 Stellplätzen. Hier müsste ebenfalls eine Verlegung des Recyclingstandortes (ggfs. Einbau von Unterflurcontainer) stattfinden.

 

Die Gesamtbaukosten werden auf rund 147.400 € beziffert.

 

 

Fazit:

 

Die Kapazität der Fahrradabstellmöglichkeiten ist an allen Bahnhöfen nahezu erschöpft. Es gibt nahe der Bahnhofseingänge wild abgestellte Räder, deren Eigentümer von ihrer aus Bequemlichkeit entstandenen Gewohnheit kaum abzuhalten sind. Eine Modernisierung ist zudem dringend erforderlich, weil die Anlagen nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen und somit für den Nutzer unattraktiv und unsicher erscheinen.

 

Vermehrt haben sich bereits Nutzerinnen und Nutzer der B+R-Anlagen über den Zustand der Anlagen und den mangelnden Platz beim Bau- und Umweltamt beschwert. Bei allen U-Bahnhöfen ist eine Verknappung der Parkplätze aufgrund der Nutzung durch Pendler zu verzeichnen. Diese weichen bereits auf die umliegenden Anwohnerstraßen aus, woraus sich erhebliche Verkehrsbehinderungen in den kleineren Straßen ergeben.

 

Ein attraktives B+R-Angebot mit Sammelschließanlagen kann durchaus Pendler aus der näheren Umgebung zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen.

 

Folgendes Beispiel verdeutlicht die Effizienz attraktiver B+R-Anlagen:

Eine Sammelschließanlage, die eine Fläche von zwei Parkplätzen beansprucht, bietet für 24 Fahrräder Platz. Im Normalfall ist ein Pendler-PKW nur mit einer Person besetzt, d.h. es würden durch die komplette Auslastung einer Sammelschließanlage 24 Parkplätze frei bleiben.

 

Ebenfalls zu bedenken ist, dass die hohe Gesamtförderung von bis zu 82 % der Kosten ausschließlich in 2018 in Anspruch genommen werden kann.

 

Sollte die Realisierung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, ist damit zu rechnen, dass die komplette Maßnahme ohne Förderung oder nur mit reduzierten Fördersätzen realisierbar ist.

 

Die Gemeinde Großhansdorf ist nicht an das B+R-Modulsysteme der Firma Kienzler, welches mit der NAH.SH entwickelt wurde, gebunden. Zu berücksichtigen ist aber, dass die jetzt komplett geförderte Vorplanung, die auf dem B+R-Modulsysteme der Firma Kienzler fußt,  nochmals in Auftrag gegeben werden müsste, um in den Genuss der Anschlussförderung durch NAH.SH  zur Realisierung der B+R-Anlagen zu kommen.

 

Verwaltungsseitig erscheint das B+R-Modulsystem als sehr gut durchdacht. Die Module wurden bereits in mehreren Kommunen erfolgreich aufgebaut, so dass ein einheitliches Erscheinungsbild im Bereich der Schleswig-Holsteiner Bahnhöfe geschaffen wird.

 

Da eine Beschlussfassung zu den Ertüchtigungen der 3 Bahnhöfe Haushaltsmittel voraussetzt, die derzeit nicht zur Verfügung stehen wird eine abschließende Beratung und Beschlussfassung für den 1. Nachtragshaushalt 2018 vorgesehen, um die auf 2018 begrenzten Fördermittel in Anspruch zu nehmen. 

 

Um Kenntnisnahme wird gebeten.

 

Anlagen:

Übersicht Förderung

B+R-Modulsystem

Kostenschätzung

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlagen:
keine

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Übersicht Förderung (225 KB)      
Anlage 2 2 B+R-Modulsystem (2582 KB)      
Anlage 3 3 Kostenschätzung (3286 KB)